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Intakter Rüde oder ... ?

Intakter Rüde oder ...

Mein Jüngster ist jetzt fast 2 Jahre alt. Wir sind 1 bis 2 Mal in der Woche auf Hundeplätzen, in Kursen, und auf Hundefreilaufflächen. Wir gehen in die Städte, wir gehen in Geschäfte, in Lokale und zu öffentlichen Veranstaltungen. Wir fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wir fahren zusammen in Urlaub und übernachten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen... will damit sagen, wir sind sehr viel unterwegs und meine Hunde kennen so ziemlich viele Situationen ausserhalb des eigenen Gartens und Wohnzimmers. Und natürlich treffen wir bei all diesen Gelegenheiten viele verschiedene Hunde und dazu gehörige Menschen.

Meine Mitarbeiterin Yuna ist kastriert. Als wir unseren Unfall hatten, war sie noch intakt. Damals musste ich immer schauen, wenn ich etwas geplant habe, Ausflug, Urlaub, Kurse in der Hundeschule, das sie nicht läufig wird und/oder ist zu der Veranstaltung. Oder auch wenn ich einen Termin hatte und sie in der Pension angemeldet war, konnte sie da nicht hin, vor, während und nach der Läufigkeit. Für uns sehr einschränkend...Kennst auch du das? Dann gibt es auch noch die Auswirkungen auf den Hund selbst. Yuna wurde immer ängstlicher, nervöser und litt ganz dolle unter den Hormonschwankungen. Sie wollte nicht fressen, fand keine Ruhe im Haus, und und und....viele von euch kennen wohl auch die Scheinträchtigkeit ihrer Hündin.

Bei den Rüden sind die von uns empfundenen negativen Auswirkungen andere, ... sie markieren sehr viel mehr als Hündinnen, bei meinem Levi gerne auch mit Kot absetzen. Oft kommt mensch gar nicht voran auf einer Strasse, da der Rüde überall schnuppern MUSS und dann alles übermarkieren MUSS. Gut, das ist eine Lernsache, für den Menschen und den Hund. Konsequent umgesetzt ist dies auch gut machbar. Bei Levi ging das sehr gut. Hier bei uns auf dem Dorf. Waren wir 1 - 2, oder auch mal 3 Stunden in einer Stadt unterwegs, sah das dann schon etwas anders aus. Nun, nach konsequentem Training ging auch das. Auch hat er nicht mehr Kleiderständer, Regale, Papierkörbe, Stühle, Postkartenständer usw angepinkelt. Good boy!!!!! 

Aggression hat er auch nicht so wirklich entwickelt. Wie schon geschrieben waren wir sehr viel in Hundegruppen unterwegs. Er hat schon auch mal dem ein oder anderem Rüden "Bescheid gesagt". Wenn er an einer Hündin interessiert war. 

Den Ausschlag für die Kastration hat bei mir sein gesteigertes Interesse für die Hundedamenwelt gegeben. Das wurde langsam immer mehr. Er war freundlich dabei... jedoch wurde er immer zudringlicher und penetranter. Das war auch durch mein Eingreifen nicht mehr zu bremsen. Von Anfang an habe ich dieses intensive Beschnuppern, nicht mehr ablassen von dem After des anderen Hundes (es sind ja auch manchmal kastrierte Rüden betroffen) und auch die Versuche aufzureiten, unterbunden. In der Welpengruppe und dann Junghundegruppe zog sich das bei den Rüden schon als roter Faden durch. Das war nicht nur Levi. Die Ausprägungen der Rüden in ihren Verhaltensweisen waren sehr unterschiedlich. Die Trainerinnen in meinen Gruppen sind mit dem Thema sehr offensiv um gegangen. Es gab viele gute Hinweise wann wir einschreiten sollten und in welchem Ausmaß. Das war natürlich sehr unterschiedlich. Levi hat schnell verstanden und brauchte die Wasserflasche nur zu sehen um Abstand von der Hündin zu halten...bis ich wieder mit meiner Aufmerksamkeit woanders war und schwupp, war er wieder an der Hündin dran...nun, die letzen Wochen ist es mir dann schon sehr aufgefallen und er war dann, auf der Freilauffläche, an der kurzen Leine. Nun, das machte für mich echt keinen Sinn. 

Ich beschäftigte mich wieder einmal mit der Frage Kastration. Auch mit dem Kastrationschip. Das kam jedoch für Levi nicht in Frage. Mit unserer Tierärztin führte ich immer Mal wieder Gespräche darüber. Jetzt noch einmal ganz intensiv. Und wir sind uns dann einig gewesen, das bei seinem Verhalten eine Kastration durchaus Sinn macht. Sinn im Sinne von mehr Lebensqualität für ihn und somit für uns alle! Es ist halt die Frage ob eine ständige sexuelle Triebhaftigkeit, und hier ist der Trieb schon etwas natürliches, denn es geht um Fortpflanzung, in unserem Lebensumfeld für das Tier günstig ist. Denn, er soll sich nicht fortpflanzen! Somit steht er unter ständigem Druck! Und dieser Druck bedeutet Stress, und zwar enormer Stress!, für seinen Körper und seine Seele. Stress macht krank, das dürfte den meisten einleuchten. Ich will alles tun, damit Levi ein gesundes und fröhliches Leben führen kann. In meiner Wahrnehmung ist dies meine Verantwortung ihm gegenüber. In der Tierkommunikation hat er sich nicht klar geäußert ob oder ob nicht Kastration...ich glaube er weiß nichts damit anzufangen...jedoch hat er sich klar geäußert das er Spaß haben will, und ganz wichtig: das er immer dabei sein will! Und das er frei rumlaufen will, sein Ding machen will, immer in meiner Nähe! Mein kleiner Süsser! Ich habe ihm dann via Tierkommunikation erklärt was mit ihm passiert. 

Nun sind die Hoden entfernt! Er hat alles gut überstanden, ich war die ganze Zeit bei ihm. So wie damals auch bei Yuna. Für mich ist das wichtig! Die letzten Tage habe ich ihn mit Quantenheilung begleitet. Offensichtlich hat er ein Problem mit dem Gefühl von dem leeren Hautsack, in dem die Hoden lagen. Ja,...er tut sich da echt ein wenig schwer....

 

Das sind nun meine Gedanken zu diesem Thema. Und ich habe dies hier geschrieben, weil mich das Thema schon auch sehr umtreibt. Es ist immer nur im Einzelfall entscheidbar.

Levi noch in Narkose
Levi noch in Narkose

Hunde vor dem Erreichen des 1.Lebensjahr zu kastrieren, empfinde ich immer noch als unnötig. Heutzutage wissen wir, das die Hormone gebraucht werden um den körperlichen Reifeprozess des Tieres voll und ganz abzuschließen. Und ich glaube auch die Persönlichkeit des Tieres wird in dieser Zeit geformt. Und dafür brauchen unsere tollen Wegbegleiter die Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld von uns!

In diesem Sinne, alles Liebe und Gute für eure tierischen Begleiter und euch!!!!!

 

Gerne teilt eure Erfahrungen mit diesem Thema. Das ist wichtig für alle. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Monika Maria (Sonntag, 28 Juli 2019 21:13)

    Hey Luca. Danke für deinen tollen Beitrag zum Thema Kastration und die Tiefe tiefe die darin zu spüren ist von dir das Beste für dein und alle Tiere zu tun. Meine Luna ist auch ca. 3-4 mal im Jahr läufig und das obwohl sie sterilisiert sein soll. Ganz zu schweigen von den Scheinschwangerschaften die dann folgen. Hormone halt. Da ist so ein offenes Angehen zu dem Thema wie du es hier anbietest sehr wohltuend. Man spürt nicht Ärztin zu sein und das tut gut. Danke. Sanne auch für die Möglichkeit des Austausches. Wundervoll.

  • #2

    Ute Precht (Donnerstag, 15 August 2019 15:48)

    Liebe Luca,

    als ich meinen Bruno kastrieren ließ habe ich lange darüber nachgedacht. Einfach so, weil es bequem ist, das wollte ich auf keinen Fall. Als Bruno dann ins Alter kam und sich für die Damen interessierte, wurde er immer kribbeliger, wenn die Hundedamen ihre Läufigkeit hatten. Er war ganz durcheinander, zerrte und zog an der Leine, hörte auf kein Kommando mehr und wir beide hatten es sehr schwer miteinander. Als wir fast keinen entspannten Spaziergang mehr machen konnten (im Ort ist irgend eine Hündin immer läufig), entschloss ich mich dazu Bruno zu kastrieren. Er hat alles ganz wunderbar überstanden. Überhaupt keine Komplikationen und nach einer Woche war alles wieder gut. Seit dem mag er läufige Hündinnen immer noch besonders gerne, aber das ist jetzt alles ganz easy. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut das die Hormonumstellung keinerlei Spuren an Bruno hinterlassen hat. Er ist ausgeglichen, nicht dick geworden und sehr verträglich mit anderen Hunden.
    Ich freue mich auch das es Deinem Levi jetzt so gut geht.
    Herzlichst Ute

  • #3

    Gabriele Tönnessen (Donnerstag, 15 August 2019 22:46)

    Liebe Ute. Vielen Dank das du hier deine Geschichte mit Bruno's Kastration teilst!